Zeisehallen

Jentz • Popp • Störmer (bis 1989) • Wiesner

Filmtheater, Gastronomie und Einzelhandel
Hamburg

Wettbewerb 1986 - 1.Preis
Fertigstellung 1993
BGF 3.900 qm


Stadt in der Stadt  (Text: Inge Maisch, aus: Architektur in Hamburg, Jahrbuch 1993)

Großaufnahme: Dasy Duck, ganz in Rot und unverkennbar aus Metall  -  Schnitt, Totale: zwei ältere Damen, in ein eifriges Gespräch vertieft  -  eine schwebende hellgrüne Brücke, eingetaucht in helles Sonnenlicht  -  ein rothaariger Punk hängt verträumt über der Kiste mit Billigangeboten vor dem Buchladen  -  ein paar Jungs sausen auf Skateboards das sanft abfallende Terrain hinunter und bleiben in den leicht hochstehenden Gleisen hängen. Ein Werbefilm über die neue Zeise in den Mauerresten der ehemaligen Schiffsschraubenfabrik von Theodor Zeise wäre nicht nur ein Film über ein neues Kinocenter, er wäre nicht nur ein Fortsetzungsroman über die Arbeit eines Architekturbüros am selben Ort zu unterschiedlichen Zeiten  -  das Restaurant Eisenstein und das Medienhaus entstanden 1988/89  -, sondern er zeigte auch ein Stückchen Leben in der Großstadt. Vor allem wäre es jedoch eine Dokumentation darüber, wie Orte der Kommunikation in der Stadt aussehen können, diese Plätze, an denen sich Menschen begegnen, um jenes Schauspiel zu genießen, das ihnen nie langweilig wird: andere Menschen zu beobachten, im ständig wechselnden Film des Großstadtlebens Akteur und Zuschauer zugleich zu sein  -  zurückhaltend, schüchtern, großmäulig, selbstbewusst, arrogant, selbstsicher, leise, still.

Die neue Zeise mit ihrer Passage hat alle Chancen, ein solcher Ort der Begegnung zu werden. Zwar verbindet sie nicht wirklich einen Teil der Stadt mit einem anderen, und das hat schon so mancher Passage das Überleben schwer gemacht. Doch anders als die meisten überdachten Glitzermeilen in der Innenstadt ist die Zeise kein Konsumtempel. Drei Kinos, eine öffentliche Bücherhalle und ein Kindergarten, Büros, Cafes und Restaurants lassen vermuten, dass in der Zeise von morgens bis in die späte Nacht Menschen flanieren werden.

Und da ist die Architektur. In die hohen Fabrikhallen, die nicht mehr vollständig erhalten waren und deshalb ergänzt wurden, haben die Architekten von me di um eine kleine Stadt in der Stadt hineingebaut, kleinteilig und abwechslungsreich wie der Stadtteil Ottensen, in dem die alte Fabrik steht. Es gibt einen öffentlichen Platz: das Café genau gegenüber vom Kinoeingang; die Zeise hat ein Stadttor: die hohe Eisentür vor dem Eingang zu den Filmtheatern mit Dasy Duck, mit Blumen und einem bösen Wolf als rotem schmiedeeisernen Abschluss. Und natürlich sind dort Häuser, deren Fronten den Weg säumen und deren Fenster einmal mehr, einmal weniger einsichtig sind.

(mit Isabell Feest und Peter Dinse)