Colosseum

Jentz • Popp • Roloff • Wiesner

CINEMAXX
Berlin

Fertigstellung  1997


Am Gebäudekomplex des „Cinemaxx Colosseum“ lässt sich der städtebauliche und wirtschaftlich-funktionale Wandel Berlins vom letzten Jahrhundert in die Gegenwart, exemplarisch nachvollziehen. 1894 von der „Großen Berliner Pferde-Eisenbahn AG“ erbaut, dienten die Gebäude sowohl als Stallungen, Schmieden, Sattlereien und Geschirrkammern für die Berliner Pferdebahn. In der heutigen Zeit galt der unscheinbare Hinterhof als das letzte Beispiel Berlins für die frühe Entwicklung im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs. Durch die rasante technologische Entwicklung der folgenden Jahre wurden die Ställe bald überflüssig.

1924 baute man den vorderen Bereich des Gebäudes zu einem Lichtspieltheater aus, ganz entsprechend der Bedeutung, die die Filmkunst im Berlin der 20iger Jahre erreichte hatte. Spezifische Gestaltungselemente des Interieurs sind leider nur teilweise erhalten geblieben, wenigstens die Saalkonturen entsprechen dem Original aus den 20iger Jahren. Das Kino wurde zwar vom Krieg verschont  -  jedoch nicht von der Nachkriegszeit. Das Original-Interieur von 1924 ging verloren. Von 1945 – 1955 wurde das ausgebombte „Metropol-Theater“ provisorisch in den Räumlichkeiten untergebracht, erst 1957 wird das Gebäude wieder in ein Lichtspielhaus umgewandelt. Die Fassade der Schönhauser Allee wurde seitens des Denkmalschutzes als erhaltenswert eingestuft. Dies führte im Jahre 1993 zur Unterschutzstellung des gesamten Gebäudekomplexes einschließlich der alten Industriefassaden der ehemaligen Stallungen.

Die Entwurfsidee von me di um Architekten beruht auf dem vollständigen Erhalt der geschützten Gebäudeteile aus den unterschiedlichen Epochen. Durch das Anheben der Kinosäle in die Ebene über den Stall-Fassaden, gelingt bei Erhalt der Altbausubstanz die Realisierung eines wirtschaftlichen Gesamtkonzepts, das heutigen Ansprüchen entspricht. Die überkragenden Kinosäle bilden einen oberen Raumabschluss. Der ehemalige Außenbereich wird zum überdachten Innenhof. Die neue Nutzung als Foyer und Restaurantfläche des Kinos wird bestimmt vom morbiden Charme der historischen Backsteinfassaden. Eine großzügige Dachverglasung lässt Tageslicht ins Foyer und zitiert so die frühere Hofsituation der historischen Stallungen. Von hier werden die Kinos erschlossen, ebenerdig und über eine eingestellte Erschließungsgalerie auch die Kinosäle der Obergeschosse. So werden zusätzlich zum alten, historischen Kinosaal neun weitere Säle mit insgesamt 2.716 Sitzplätzen geschaffen. Restaurants und Läden verankern den Gebäudekomplex im Stadtteil.

Die Innenarchitektur knüpft an das Design des historischen Lichtspieltheaters an, dessen detailreiche Gestaltung des Interieurs immer einen besonderen Themenbezug hatte. Diese Tradition wird fortgesetzt, indem farbige Elemente durch Foyer und Kinosäle als integratives Gestaltungselement durchlaufen.