Hamburger Terrasse

Roloff • Ruffing

Sanierung und Anbau einer historischen Terrassenbebauung
Valentinskamp, Hamburg- Mitte

Fertigstellung 2010
BGF 1.850 qm

Als Rest des historischen Hamburger Gängeviertels befindet sich im Hinterhof der Blockrandbebauung am Valentinskamp das Terrassengebäude Valentinskamp 45a.
Das ehemals in kleine Arbeiterwohnungen aufgeteilte Wohngebäude aus dem Jahr 1880 ist nach jahrelangem Leerstand denkmalgerecht saniert und erweitert worden.

Das Bestandsgebäude wurde komplett neu ausgebaut und mit einem 6-geschossigen Anbau mit Staffelgeschoss ergänzt.
Damit wurde die bestehende Baulücke zum Platz des Brahmsquartiers geschlossen und der Innenhofcharakter wiederhergestellt.

Durch die Baumaßnahme sind in zentraler Lage zehn charaktervolle Wohn- und Geschäftseinheiten entstanden.
Die Erschließung erfolgt über den Innenhof des Gebäudekomplexes. Als Haupterschließung dient ein neues Treppenhaus, das pro Geschoss zwei Wohnungen zugänglich macht. Sowohl die Treppe als auch der Aufzug sind als Stahlbetonkonstruktionen in den Altbaubereich eingefügt worden.

Das bestehende Terrassengebäude musste komplett entkernt werden. Dabei wurden die vier Außenwände erhalten, die Fundamente ertüchtigt und die Geschosse neu aufgebaut.
Sowohl im Bestandsgebäude als auch im Bereich des Anbaus unterstützen Kleinbohrpfähle die Fundamente.
Da die Außenwände die statischen Anforderungen nicht hinreichend erfüllen konnten, übernimmt im Inneren des Gebäudes eine neue Stahlstützen- und Stahlbalkenkonstruktion mit Ziegeldecken die statische Funktion. Hier wurden die Fassaden rückverankert.
Im Bereich des Daches ist eine langgestreckte raumhohe Gaube entstanden, die, wie die Geschosse darunter, durch frei auskragende Stahlbalkone ergänzt ist.

Die Backsteinfassade des Bestands wurde saniert.
Spuren der bewegten und leidvollen Geschichte sind dabei bewusst erhalten worden.
Sämtliche Fenster und Tore wurden durch neue, wärmegedämmte Holz-Glaskonstruktionen ersetzt, die sich gestalterisch an den historischen Konstruktionen orientieren.  Die Außenwände wurden von innen mit einer Dämmschicht versehen.

Der Anbau zum Brahmsquartier passt sich durch Formgebung und Material der direkten städtebaulichen Umgebung an. Er erhält durch schräg nach innen fluchtende Fassaden im Erdgeschoss und 5. Obergeschoss und durch das zweiseitig angeschrägte Staffelgeschoss einen skulpturalen Charakter und steht damit bewusst in einem gestalterischen Gegensatz zum Altbau.
Im Innenhof sind die in das Bestandsgebäude eingebrachten neuen Bauteile durch Form und Material klar ablesbar. Als Fassade wurde ein Putzsystem gewählt, dessen graue Färbung sich in den Holzfenstern und -toren des Bestandgebäudes wiederfindet und mit dem Rotton der Altbaufassade harmoniert.

Beide Baukörper stärken durch ihre unterschiedlichen Eigenschaften die Qualität der Gesamtanlage und schaffen gemeinsam einen attraktiven Wohnhof im Herzen Hamburgs.