Musikschule Norderstedt

Roloff • Ruffing

Neubau Musikschule
Am Kulturwerk 1, Norderstedt

Fertigstellung 2012
BGF  750 qm

Das Projekt „Musikschule“ ist ein wichtiger baulicher und funktionaler Bestandteil des “KulturWerk Norderstedt“. Als Ausbildungseinrichtung wird sie den Standort „Kulturwerk“ zusätzlich beleben.

Der Kubus der Musikschule und das Fabrikgebäude des ehemaligen Kalksandsteinwerks bilden stadträumlich und hinsichtlich ihrer einheitlichen Kalksandstein-Optik ein Gebäudeensemble. Dabei steht der weiße Neubau der Musikschule dem industriell geprägten Bestandsgebäude der ehemaligen Fabrik als Kontrapunkt gegenüber. Der Dialog zwischen Alt und Neu erzeugt ein spannungsvolles Nebeneinander.

Das Gebäude setzt sich aus den Bauteilen „Kubus“ und „Foyerspange“ zusammen. Durch die Verlängerung der Verschiebebahn des Kulturwerks entsteht das Foyer. Der Kubus ist von der Spange zurückgesetzt und als frei stehender Baukörper positioniert. Da die Foyerspange die Musikschule und das Kulturzentrum räumlich verbindet, ist bei Großveranstaltungen eine gemeinsame Nutzung beider Gebäudeteile möglich.  
Einen Durchgang durchschreitend erreicht man vom vorgelagerten Foyer, den Treppenraum des zurückgesetzten Würfels, der sich über 4 Geschosse erstreckt. Im Kellergeschoss befinden sich die Musikprobenräume für elektronisch verstärkte Musik, sowie Proben- und Aufnahmeräume. Im Erdgeschoss ist der große Chorprobenraum untergebracht, während im ersten OG sich 6 Musikprobenräume befinden. Mit Blick über Baggersee und Stadtpark bildet der lichtdurchflutete Ballettsaal im 2. OG das oberste Geschoß.
Der Innenraum des Erdgeschoß wird von Stützen freigehalten, diese reihen sich entlang der Fassaden. Ermöglicht wird der stützenfreie Raum durch 2 geschosshohe wandartige Betonträger, die die Lasten der Obergeschosse in die Stützen an der Ostfassade abtragen. Ergänzend zu den tragenden Flurwänden erhält das 1. Obergeschoss ebenfalls umlaufende Fassadenstützen. Das oberste Geschoss des Ballettsaal wird, im Unterschied zu den anderen Geschossen, von einer leichten Stahlkonstruktion gebildet. Schlanke Fassadenstützen tragen eine stählerne Dachkonstruktion, die ebenfalls stützenfrei den großen Ballettsaal überspannt.

Das regenerative Energiekonzept stützt sich beim Gebäude der Musikschule in erster Linie auf ein natürliches Lüftungskonzept. Durch Kippstellung der Fenster stellt sich eine thermisch angetriebene Luftdurchspülung ein. Diese sorgt dafür, dass über Nacht die thermischen Lasten aus dem Gebäude abgeführt werden und dadurch die Räume im Sommer nicht überhitzen. Als Antriebsmotor für die natürliche Luftdurchströmung fungiert der durchgehende Treppenraum. Die Abströmung der verbrauchten Luft erfolgt über Fensterklappen am höchsten Punkt über Dach.
Die 2-schalige Fassade erzeugt einen Zwischenraum, der sowohl die Abstrahlungsverluste aus dem Gebäude, als auch die Kälteeinwirkung der Außenluft abpuffert. Während die „Doppelfassade“ mit den gelochten Kalksandsteinen im Sommer einen stationären Sonnenschutz darstellt, fungiert sie im Winter als Kollektorfassade mittels Wärmestrahlung der Massebauteile.