Wohnen im Silobauwerk Harburg

Neubau eines Wohnturms auf der Schlossinsel Harburg
Schlossinsel, Hamburg-Harburg
Gestaltungsgutachten 2010

Der Entwurf basiert auf einem Transformationsprozess, in dem das Erscheinungsbild des bestehenden Silos auf seine wesentlichen Merkmale reduziert wurde: der monolithische Charakter durch die fast unzäsierten Übergänge von fensterloser Fassade zum Dach, die Gliederung in Sockel und Hauptbaukörper, die Dachform mit Dachreiter und Turm sowie das Proportionsverhältnis. Die hierdurch gewonnene Grundform wurde zum gestalterischen Leitbild für den Neubau, an dem sich alle folgenden Maßnahmen zur Implantierung der Wohnnutzung zu orientieren hatten. Im Ergebnis ist die Form des alten Speichers neu entstanden. Die Gebäudehaut gestattet eine komfortable Belichtung und einen vielfältigen Innen-Aussen-Bezug. Sie trägt mit ihrer Struktur, Materialität und Farbe dazu bei, die Landmarke für den Harburger Binnenhafen und die neu entstehende Marina Schlossinsel zu bewahren und neu zu definieren.
In die 30 Wohnungen, verteilt auf 9 Geschossen und 2 Dachgeschosse, gelangt man über ein Sicherheitstreppenhaus und Aufzüge. Die leicht außermittige Lage des Erschließungskerns ermöglicht die Verteilung unterschiedlicher Wohnungsgrößen auf einer Etage. Dies führt in der Folge dazu, dass nahezu alle Wohnungen über mindestens eine Wasserseite verfügen. Um den Wohnungsmix im Haus anzureichern, sind in den oberen Geschossen 3 Maisonetten vorgesehen.

Zur Bewahrung des monolithischen Charakters wurde beim Neubau auf Dachüberstände, außen liegende Rinnen, Rohre und Gauben gänzlich verzichtet. Die Kubatur ist von einem homogenen Kleid überzogen. Fassaden und Dach sind mit dem gleichen Material verkleidet, das sich nur durch seine Oberflächenstruktur zwischen Sockel und Hauptbaukörper unterscheidet. Eine unregelmäßige Verteilung von Fassadenöffnungen, die von reinen Fenstertüren zu solchen mit vorgehängten, perforierten Fassadenplatten variieren und die Ausstattung der Loggien mit schmalen Schiebefaltelementen generieren in Summe eine flächige, ungerichtete und feinmaschige Hülle. Eine entscheidende Rolle kommt den perforierten Fassadenelementen zu. Sie lassen die Fassade geschlossener erscheinen und bieten gleichzeitig ein Spiel von Licht und Schatten in den Wohnungen.